Das ging wohl schief: Fails in der Candidate Experience

Meine Bewerbungszeit ist offiziell beendet – nach 2 Monaten habe ich den „perfect match“ gefunden und meinen Dienstvertrag unterschrieben. Wo und wie ich gelandet bin, das erzähle ich in einem meiner nächsten Beiträge.

Ich habe euch schon von einigen positiven Bewerbungserfahrungen berichtet. Heute will ich über erlebte „Fails“ erzählen. Ich habe lange überlegt, ob ich die Unternehmensnamen veröffentlichen soll und habe mich dagegen entschieden. Manche denken sich vielleicht: Ist die feig. Ich will aber Kritik nicht über das Social Media ausrichten.

  • Keine Rückmeldungen

Von 30 % der Unternehmen, bei denen ich mich beworben habe, habe ich selbst jetzt nach ca. 8 Wochen nichts gehört. Nada, nix, niente. In Zeiten des Fachkräftemangels hat mich das überrascht. Mir ist natürlich klar, dass ich keinen Mangelberuf ausübe. Aber ich hätte mir einen höheren Professionalisierungsgrad erwartet.

Fast schon lustig finde ich es, wenn ich auf die Bewerbung als Employee Engagement Managerin keine Antwort erhalte. Dieses Unternehmen hat den Sinn des Jobs anscheinend nicht ganz verstanden.

Eigenartig mutet auch dieser Fall an: Keine Reaktion auf meine Bewerbung, obwohl eine Führungskraft des Unternehmens eine Empfehlung für mich an die Recruiting-Abteilung schickte. Das ist nicht nur mir gegenüber unprofessionell, sondern vorallem gegenüber dem eigenen Mitarbeiter.

  • Rückmeldungen nach einigen Wochen

Es läutete schon mehrmals mein Handy und Recruiter wollten mich nach einigen Wochen zu einem Termin einladen. Große Verwunderung dann über die Info, dass ich nicht mehr auf Jobsuche bin. Schnelligkeit ist mittlerweile ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Recruiting geworden. Das hat sich aber anscheinend noch nicht überall herumgesprochen.

  • Missverstandenes Active Sourcing

Besonders freute ich mich über direkte, persönliche Ansprachen über XING oder LinkedIn. Ganz besonders über diese euphorische Nachricht eines CEOs eines Startups an einem Samstagabend: „Hey Sabine, Du passt perfekt zu uns! Wir bei xy suchen aktuell die klügsten Köpfe für die Stelle als Leiter des Personalmarketings …“. Ich schrieb sofort zurück, weil ich die Position sehr ansprechend fand. Dann tagelang nichts. Dann die Bitte um eine offizielle Bewerbung. Machte ich. Dann wieder 10 Tage nichts. Naja, meine Euphorie wurde weniger. Dann der Anruf eines Mitarbeiters und die Einladung zum Gespräch. Im Gespräch bekundete ich nochmals meine Freude über die aktive Ansprache des CEOs. Worauf er meinte: „Das war nicht unser CEO selbst. Das war ich mit seinem Account. Ich habe Active Sourcing ausprobiert.“ Ich war perplex, vereinbarte aber trotzdem einen Termin. Diese Info hinterließ aber einen sehr fahlen Beigeschmack bei mir. Immer wieder überlegte ich den Termin zu canceln. Mein neuer Job ist mir dann aber sowieso dazwischengekommen und ich sagte den Termin ab.

  • Falsche Versprechen

Besonders angesprochen hat mich folgendes Angebot auf einer Karriere-Website eines weltbekannten Unternehmens:

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Erstens interessierte mich das Unternehmen und zweitens wollte ich dieses Telefonat mit dem Karrierecoach führen. Ein super kreativer Ansatz, wie ich fand. Und so habe ich meine Daten eingegeben und gleich folgenden frischen Antworttext am Screen erhalten:

Bildschirmfoto 2017-11-23 um 21.27.15

Und dann: NICHTS. Das war vor mittlerweile 4 Wochen. Sehr enttäuschend. Wenn man so ein Versprechen abgibt, dann muss man reagieren. Mir ist bewusst, dass ich wieder nicht zur Zielgruppe gehöre, aber eine Reaktion hätte es geben MÜSSEN.

  • Was wir bieten: Obstkörbe, Kaffee und Wasser

In vielen Stellenanzeigen beschreiben Unternehmen mittlerweile, was sie konkret zu bieten haben. Das ist erfreulich. Vor einigen Jahren war das noch nicht so. Da wurde nur gefordert –  und das nicht zu wenig – aber wenig geboten.

Was mich dann doch sehr verwundert hat, waren die vielen Obstkörbe, Kaffee- und Wasser-Flatrates. Ist das ein deutsches Phänomen? In Österreich habe ich das noch selten gelesen. Bin ich abgehoben, wenn ich das lächerlich finde? Vor allem das Wasser. Lockt das wirklich Leute an? Sollte ein Angebot nicht viel mehr über die Kultur des Unternehmens erzählen? Mir ist das Wasser, der Kaffee und das Obst völlig egal. Ich könnte mir vorstellen, dass es anderen genauso geht. Ich denke mir sogar: Wie mies muss dieses Unternehmen sein, wenn die Verantwortlichen schon kostenloses Wasser in die Anzeige schreiben.

Drei Beispiele:

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Keinen eigenen Punkt widme ich den mühsamen Bewerbungssystemen. Einfach nur nervig und Zeitverschwendung für mich als Kandidatin.

Mein Fazit: 

Summa Summarum habe ich aber viel mehr positive Recruiting-Momente erlebt, also Negative.  Mein Gefühl sagt mir, dass in den deutschen Recruiting-Abteilungen schon wesentlich mehr auf den Aspekt der Candidate Experience geachtet wird, also noch in Österreich.

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