Meine Hochs und Tiefs – mein persönlicher Change

Seit 13 Wochen wohne ich offiziell in Deutschland. Netto war ich wahrscheinlich 4 Wochen hier. Die restliche Zeit war ich Laptop-Nomadin und verbrachte ich in Flugzeugen, Zügen, Workshops und Seminaren. Meine Pendlerei ist mit Jahresende Gott sei Dank zu Ende und am 8. Januar beginne ich meinen Job in Köln.

Ich denke, ich bin sehr veränderungs-affin. Veränderungen werfen mich nicht so schnell aus der Bahn und ich habe keine Angst davor. Sie machen mir sogar Spaß und ich suche ganz bewusst danach. Auch dieses Mal bin ich voller Energie: Ich will so schnell wie möglich die neue Umgebung erkunden, Hotspots ausfindig machen und Leute kennenlernen.

Doch in den letzten Wochen kamen auch andere Gedanken hoch à la „Wäre es nicht viel einfacher, wir hätten alles beim Alten gelassen? In Wien war alles so eingespielt und problemlos.“ Es drückt auf meine Stimmung, wenn ich nicht spontan ins Cafe Balthasar im 2. Bezirk gehen kann. Vor allem vermisse ich meinen Freundeskreis. Wir haben uns zwar nicht ständig gesehen, aber ich hatte das Gefühl, dass wir uns jederzeit treffen könnten.

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Ein paar Beobachtungen habe ich gemacht, die mich überraschten:

  • Ich vermisse Alltägliches.

Zum Beispiel österreichische Marken im Supermarkt-Regal. Meine NÖM Butter, meine Zotter Schokolade oder das Roggenbrot von Ströck. Das sind anscheinend Anker im Alltag. An Weihenstephan & Co muss ich mich erst gewöhnen. Ich vermisse sogar die grantige Kassiererin aus dem Supermarkt. Sie war Fixpunkt meines Lebens.

Ein emotionaler Moment war, als ich Kernöl im deutschen Supermarkt entdeckte. Sogar aus der Steiermark. Da verschmerzte ich sogar 7 Euro für ein 0,25 l Flasche. Überhaupt vergöttere ich gerade österreichische Lebensmittel wie Kernöl, südsteirischen Wein oder Manner-Schnitten. Sie verschaffen mir ein heimeliges Gefühl.

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  • Ich vermisse die österreichische Sprache.

Obwohl hier dieselbe Sprache gesprochen wird, fühle ich mich doch noch fremd und anders. Im Supermarkt bestelle ich nach wie vor „Faschiertes“, das Wort „Hackfleisch“ will sich einfach nicht in meinem Gedächtnis halten. Nach Sauerrahm, Semmelbrösel oder Semmelwürfel habe ich auch vergeblich gesucht. Jedes Mal wenn ich eine Apfelschorle bestelle, fühle ich mich wie eine Verräterin. Und dann die Aussprache – ich sage nur „Kaffffe“ 😉

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  • Ich vermisse meine Stadt.

Ich verbrachte im Herbst noch viele Tage in Wien und ich ging mit einem sentimentalen Gefühl durch die schönen Straßen. Ich blieb vor wunderschönen Häusern stehen und bewunderte die Altbau-Fassaden. Vor zwei Wochen war ich das 1. Mal in die Votivkirche. Gefühlt bin daran 1000 Mal vorbeigegangen. Das letzte Mal dachte ich: Ich gehe jetzt rein und schaue mir das an. Ich war begeistert von der Schönheit. Und gleichzeitig war ich traurig, dass ich in 16 Jahren Wien wahrscheinlich sehr viel nicht geschätzt und bemerkt habe.

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Wien gehört zurecht zu den lebenswertesten Städten der Welt, inklusive den grantigen Bewohnern. Es gehört einfach dazu, dass man ab und zu „angezwidert“ wird. In der U-Bahn, im Kaffeehaus oder im Straßenverkehr. Jetzt lebe ich im Rheinland und hier ist es GANZ anders. Es ist völlig normal, dass mich Leute im Supermarkt ansprechen und mir weiterhelfen, obwohl ich gar nicht nach Hilfe gefragt habe. Der Busfahrer hat auch immer einen launigen Spruch auf Lippen. Und fremde Menschen in der Regionalbahn grüßen mich. Auch daran muss ich mich noch gewöhnen.

Diese Zeilen mögen wehmütig klingen. Aber ich habe festgestellt, dass ich auch diese Gefühle zeigen will. Die örtliche und berufliche Veränderung gemeinsam mit meinem Mann macht Spaß. Und manchmal ist sie anstrengend, manchmal macht sie traurig. Aber die  Erfahrung empfinde ich als sehr wertvoll und ich möchte sie nicht missen.

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2 Gedanken zu „Meine Hochs und Tiefs – mein persönlicher Change“

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