Mein 1. Jahr in Deutschland

Das Jahresende ist natürlich der perfekte Zeitpunkt für einen Rückblick. Oder für mein persönliches Retro – so würde ich es in der agilen Sprache sagen. Seit einem Jahr arbeite ich in Deutschland und ich habe mich gut eingewöhnt. Von mir gibt es 4 fette Likes und 3 nervige Dislikes für dieses Jahr. 

Like: Mein Job-Glücksgriff 

Größter Pluspunkt auf meiner Liste, denn unverhofft habe ich mit Jahresbeginn ein Thema gefunden, das mich begeistert. Der Mobilitätsvirus hat mich voll erwischt und lässt mich wahrscheinlich auch so schnell nicht mehr los. Mein berufliches Leben dreht sich bei der VDV-Akademie um den ÖPNV, Straßenbahnen, Busse, Züge, Bahnhöfe und noch viel mehr um die Menschen, die dort arbeiten. Viele Megatrends wirken auf unsere Branche ein: die Städte werden größer, die Menschen werden mobiler, alles wird digitaler, ökologische Überlegungen prägen unseren Lebensstil, kein Tag ohne News zum Diesel-Skandal, Elektrobusse kommen auf die Straßen, Parkplätze sind ein rares Gut, Sharing-Konzepte werden ausprobiert usw. Die Branche boomt und gleichzeitig suchen wir händeringend nach Menschen, die in Verkehrsunternehmen arbeiten wollen. Mittlerweile kommt es vor, dass Verkehrslinien ausfallen, weil Personal fehlt. Die geburtenstarken Jahrgänge verabschieden sich in den nächsten Jahren in die Rente. Das Thema wird also noch heißer.

Weil mich viele fragen, was ich genau bei der VDV-Akademie mache: Ich bin einerseits für die Kommunikation zuständig, dh ich kümmere ich mich um unsere Social Media Kanäle, schreibe für unseren Blog und nächstes Jahr werden wir unserer Marke neues Leben einhauchen. Der zweite Teil meines Jobs hat mit HR-Trends und Innovationen zu tun. Zum Beispiel gestalte ich die Inhalte für den VDV-Personalkongress 2019. Oder ich konzipiere eine Learning Journey nach Berlin, um in die neuen Arbeitswelten einzutauchen. Wir müssen uns dringend Themen wie Mobiles Arbeiten, geteilte Führung, Coworking etc öffnen. Das finde ich megaspannend.

Like: Mein Leben auf Social Media 

Einerseits ist es Teil meines Jobs. Aber es ist auch die Möglichkeit mit meiner Familie und meinen Freunden in Österreich ständig in Kontakt zu sein. Das finde ich klasse. Insta-Storys geben mir das Gefühl, ich kann täglich über mein Leben berichten und bei meinen Freunden sein. Es wäre mir nicht möglich, ständig mit allen zu telefonieren. LinkedIn und Twitter haben mir schnell einen Überblick über das deutsche HR- und Mobilitätsnetzwerk gegeben und schwups war ich auch schon Teil davon. Erst vorletzte Woche feierte ich meinen 1.000 Follower auf Twitter. Die Kontakte bleiben aber nicht nur digital. Ich treffe dadurch auch viele interessante Menschen in Deutschland und fühle mich zugehörig.

Like: Female Networks 

Women in Mobility, Global Digital Women oder Female Future Force sind nur einige Beispiele, die mich im Moment sehr stärken. Es sind Frauen wie Coco Heger-Mehnert, Anke Erpenbeck, Sophia von Berg, Doris Leinen, Katja Diehl, Julia Holze, Carmen Parrino, Lara Böttcher, Tijen Onaran, Jeanne Kindermann, Steffi Tönjes und viele mehr, die das Schattendasein als Frau nicht mehr akzeptieren und aufstehen. Social Media verstärkt diese Sichtbarkeit. Das ist einfach ein cooles Gefühl. Ich selbst will meinen Teil dazu beitragen. Gerade in unserer Branche kommen Frauen nur in den Nebenrollen vor. Das sehe ich auch bei unseren großen Tagungen. Das will ich nicht akzeptieren und thematisiere es, wann immer es möglich ist.

Like: Der holländische Lebensstil

Großartig an NRW ist die Nähe zu Holland. Wir waren im April das erste Mal in Nordholland und bewunderten die zahlreichen Tulpenfelder. Das hat uns schon beeindruckt. Im Sommer flohen wir vor der Stadthitze an die Nordsee und waren noch ein Stück mehr begeistert. Diese Strände, diese Beachbars, die vielen Fahrräder, diese Leichtigkeit. Einfach ansteckend. In Summe waren wir dieses Jahr 5 Mal in Holland und der nächste Sommerurlaub ist schon wieder gebucht. 

Dislike: Großes Deutschland

Puh, das macht mir manchmal ganz schön zu schaffen. 82 Millionen Menschen und 357.000 km2 – das sind Nummern. Das Gefühl, wenn man spät dran ist und schnell zum Bahnsteig laufen will, der Zug fährt ein und hunderte Menschen strömen die Treppen vom Bahnsteig runter und du hast einfach keine Chance durchzukommen. Oder in eine Straßenbahn zur Rushhour einsteigen. Oder mal schnell für einen Termin nach Berlin fahren. Geht nicht. Wohnt man in Deutschland, realisiert man erst, wie winzig Österreich ist. Das mag abwertend klingen, ist aber gar nicht so gemeint. Ich vermisse das kleine, überschaubare Österreich, wo jeder jeden kennt und man an einem Tag vom Osten in den tiefen Westen fahren kann. 

Dislike: Tägliches Pendeln

Es gibt genug Studien, die beweisen, dass Pendeln nicht gesund ist. Das bestätige ich hiermit. Wenn alles glatt läuft, brauche ich jeden Tag in Summe 2 Stunden und 30 Minuten. Das kommt aber nur selten vor. In der Regel sind es 5-10 Minuten mehr. Die Gründe sind vielfältig: Signalstörungen, Überholungen vom Fernverkehr, Verzögerungen im Betriebsablauf, Menschen am Gleis, Polizeieinsatz, etc. Ich ertrage es, so wie Tausende andere Pendler in Deutschland. Lange will ich das nicht mehr machen, die Lebenszeit ist mir einfach zu kostbar. Darum sind wir auf Wohnungssuche in Köln. Aber für dieses Projekt brauche ich wieder Zeit und das führt mich schon zum nächsten Kapitel.

Dislike: Mein duchgetakteter Kalender

In meinem letzten Post habe ich schon über unser Expat-Lebengeschrieben. Gerade jetzt zum Jahresende spüre ich die Strapazen sehr. Zu meinem täglichen Pendeln kommt das regelmäßige Reisen zu den Kindern nach Österreich. Ich erreiche das erste Mal tatsächlich den Frequent Traveller Status bei Miles and More. Die Freude darüber hält sich in Grenzen. Denn das bedeutet auch: Die Zeit, die ich für mich habe ist überschaubar. Was zu kurz kommt: Bewegung, an der frischen Luft sein, Freunde treffen und einfach in den Himmel schauen. Das wird sich nächstes Jahr auch nicht ändern. Das ist der Preis für ein beruflich aufregendes Leben. Die Vorteile und gesammelten Erfahrungen überwiegen die Nachteile, darum machen mein Mann und ich es gerne. Nach diesem Posting werde ich meine Abwesenheitsnotiz einrichten und die Social Media Kanäle still schalten. Jetzt freue ich mich einfach mal auf 2 Wochen Österreich, auf den Schnee, auf die Familie und Freunde. Auf wenige Menschen, auf die Natur, auf das Skifahren, auf die Skihütte, auf die Sauna und auf ein gutes Buch. Keine Fachliteratur, sondern Wohlfühl-Literatur.

Danke 2018, du warst gut zu mir. 

2 Gedanken zu „Mein 1. Jahr in Deutschland“

  1. Liebe Sabine, danke dir wieder mal dafür, dass du deine Gedanken teilst. Es tat wieder sehr gut, von dir und deinen Erfahrungen zu lesen. Ich wünsche dir auch für 2019 viel Glück und Spaß und die Energie soll immer mit dir sein. Ich hoffe inständig, dass du tatsächlich offline bist und meinen Kommentar erst im neuen Jahr liest.
    Alles Gute und hoffentlich auf ein Wiedersehen, ansonsten Wiederlesen. 😉
    Lg Ilona

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Ilona,
      ich freue mich so über Deine Nachricht. Ich hoffe, es geht dir gut und du genießt die Weihnachtszeit. Das mit dem Offline-Gehen fällt mir immer so schwer. Ich habe es auf morgen verschoben, dann bin ich auch schon in Österreich und im Kreise der Familie fällt es leichter 🙂
      Alles Liebe
      Sabine

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